Mythos Beckenboden - wofür wir ihn brauchen und wie wir ihn stärken Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe – Primar Dr. Oliver Preyer

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Herr Primar Dr. Preyer Was ist der Beckenboden und wofür brauchen wir ihn?

Der Beckenboden trägt nicht nur das Gewicht der Organe des Bauchraums, sondern ist wichtig für die Funktion von Blase und Darm! Er ist ein kraftvolles, dynamisches Geflecht aus verschiedenen Muskeln, die rundum am Becken befestigt sind und den Beckenausgang abschließen.

Gibt es einen bestimmten Grund dafür, warum ihnen gerade dieser Bereich so wichtig ist?

Rund 1 Mio. ÖsterreicherInnen sind mit der Diagnose „Inkontinenz“ konfrontiert – u.a. jede 3. Frau jenseits der 35. Harnverlust oder eine Senkung der Beckenorgane ist aber in den meisten Fällen, bei richtiger Diagnose, behandelbar und nichts, was man einfach akzeptieren muss. Bei erfolgreicher Behandlung lässt es sich wieder besser leben, weil die Lebensqualität steigt.

Welche Fragen oder Probleme beschäftigen die PatientInnen, die in diesen interdisziplinären Fachbereich kommen, besonders ?

Inkontinenz ist keine tödliche Erkrankung, oder Sie kostet das Leben. Die betroffenen PatienInnen wollen wissen, wie sie ihr Leben wieder lebenswert ohne Angst, Scham und Einschränkung geniessen können. Wenn sie Stuhl oder Harn nicht mehr richtig halten können, ist das den meisten Menschen sehr peinlich. Viele Betroffene ertragen ihre Erkrankung still, trauen sich nicht einmal, bei ihrem Arzt das Thema anzusprechen. Stattdessen versuchen sie, eigene Strategien zu entwickeln, mit der Situation zurecht zu kommen. Dabei stossen sie natürlich an Grenzen.

Wie profitieren die PatientInnen des Tauernklinikums heute von Ihren Leistungen?

interdisziplinären Zentrum für Kontinenz- und Beckenbodenmedizin (BeBo) des Tauernklinikums ist, dass alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten vorhanden sind. Kurze Wege zwischen den beteiligten Disziplinen ermöglichen die schnelle Abklärung aller zu berücksichtigenden Aspekte der Erkrankung. Neben der medizinischen Kompetenz in den Bereichen Urogynäkologie, Urologie, Allgemeinchirurgie, Neurologie und Radiologie, runden Physiotherapie, der Zugang zu Selbsthilfegruppen sowie Ernährungsberatung das Behandlungskonzept ab.

Wie werden Ihre PatientInnen in Zukunft vom BeBo profitieren können? Wie soll sich dieser interdisziplinäre fachbereich in den nächsten Jahren entwickeln?

interdisziplinäre Zusammenarbeit auch auch in andere Bereichen weiter ausbauen werden. Denn bei einer immer älter werdenden

Herr Dr. Preyer, eine etwas privatere Frage zum Abschluss unseres Gesprächs: Was ist es, das Sie besonders gern an Ihrer Arbeit mögen?

PatientInnen durch alle Lebensalter. Wenn das Spektrum in der Gynäkologie auch anspruchsvoll und fordernd ist, freut es mich natürlich immer besonders, wenn bei uns in der Geburtshilfe gesunde Kinder auf die Welt kommen, was einen schönen Ausgleich darstellt.

Herr Dr. Preyer, vielen Dank für das Gespräch!

Gerne wieder.

Prim. Dr. Oliver Preyer ist u.a. Fachbereichsleiter des interdisziplinären Zentrums für Kontinenz- und Beckenbodenmedizin.

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