HEILUNG IST EIN PROZESS AUS BEHANDELN UND BEGLEITEN Vorstand der Abteilung für Urologie – Prim. Priv.-Doz. Dr. Stephan Hruby, FEBU

Für meine KollegInnen in der Abteilung und für mich dreht sich natürlich alles um die Heilung der urologischen Krankheiten unser PatientInnen. Allerdings sind wir der Ansicht, dass für eine Heilung nicht nur das Behandeln der Ursache an sich nötig ist, sondern dass auch das Begleiten der PatientInnen durch den gesamten Heilungsprozess unerlässlich ist. Nur so geht Gesundheit.

Prim. Priv.- Doz. Dr. Stephan Hruby, FEBU © rené r. wenzel
Herr Dr. Hruby, gibt es innerhalb Ihrer Abteilung ein Gebiet, auf das Sie sich ganz besonders spezialisiert haben?

Ein Spezialgebiet innerhalb unserer Abteilung ist die minimalinvasive Urologie – also Eingriffe, die den Körper möglichst wenig beeinträchtigen. Sie kommen insbesondere bei der Behandlung von Krebserkrankungen, in der endoskopischen Chirurgie, in der Steinchirurgie und in der rekonstruktiven Urologie zum Einsatz. Dabei schauen wir vor allem darauf, dass wir auf jede einzelne Patientin und jeden einzelnen Patienten eingehen und die passenden Maßnahmen auswählen. Dazu verwenden wir natürlich alle modernen Mittel, die uns zur Verfügung stehen. Und wir haben dabei immer ein Ziel vor Augen: Den besten Behandlungsweg für jede einzelne und jeden einzelnen zu finden und ihn mit den PatientInnen gemeinsam zu gehen.

Gibt es einen bestimmten Grund dafür, warum Sie sich gerade auf diesen Bereich spezialisiert haben?

Die urologische Abteilung in Zell am See hat schon sehr früh damit begonnen, diese minimalinvasiven Technologien – also diese für die PatientInnen sehr schonende Art der Eingriffe – anzubieten. Im Lauf der letzten Jahre konnten wir natürlich Schritt für Schritt an Verbesserungen arbeiten. Denn es ist uns ein großes Anliegen, vor allem regional im Innergebirg eine gute Versorgung anbieten zu können. Und gerade bei Krebserkrankungen – also im Bereich der onkologischen Therapie – ist es von großem Vorteil, wenn die Wege für die PatientInnen kurz sind. Stellen Sie sich vor, Sie müssten kilometerweit zu Ihrer Therapie fahren! Dagegen trägt eine wohnortnahe Versorgung immens zur Lebensqualität bei. Dafür arbeiten wir zum Beispiel auch sehr eng mit dem Krankenhaus Schwarzach zusammen.

Welche Fragen oder Probleme beschäftigen die PatientInnen des Tauernklinikums in Ihrem Fachbereich besonders häufig?

In der Urologie gibt es für Patienten oft unangenehme Themen wie Inkontinenz oder sexuelle Funktionsstörungen – Themen die den Alltag und damit die Lebensqualität eines jeden einzelnen stark beeinträchtigen. Wir versuchen durch eine fundierte Aufklärung und auch Abklärung die Patienten hier bestmöglich zu beraten und zu therapieren.

Welche Antworten bzw. Lösungen bieten Sie und Ihr Team für Ihre PatientInnen an?

Unser Team legt bei allen Eingriffen größten Wert darauf, die Lebensqualität für die Zeit danach so hoch wie möglich zu halten. Vor allem bei onkologischen Themen versuchen wir, die PatientInnen schon vor einem Eingriff „abzuholen“, offen mit ihnen zu reden. Klar und deutlich zu beantworten, wie die Prognose ist und was nach einer Behandlung kommt. Denn es geht darum, PatientInnen nicht nur zu behandeln, sondern ihn bestmöglich zur Heilung zu begleiten. Die Herausforderung dabei ist, gemeinsam mit den PatientInnen das medizinisch Mögliche gegen das Sinnvolle abzuwägen.

Wie profitieren die PatientInnen des Tauernklinikums heute von Ihren Leistungen?

Unser Abteilungsmotto lautet „ Respekt“. Respektvoller Umgang miteinander und Respekt vor dem Patienten, das heisst vor dem Patienten als Mensch und seiner individuellen Anatomie oder anders gesagt: „Sehen. Hören. Fühlen.“ Sehen, das aufmerksame, aktive Hinschauen ist in der Medizin unerlässlich. Bei Ultraschall- oder Röntgenbildern, bei den PatientInnen selbst oder bei einer Operation – immer! Hören meint die Empathie, mit der wir unseren PatientInnen begegnen. Denn wir nehmen uns für jede/n Zeit: Zeit zum Zuhören, Zeit zum Reden. Und der letzte Punkt unseres Mottos – das Fühlen – umschreibt meine Erfahrung, die ich versuche, Schritt für Schritt auf die MitarbeiterInnen in unserem großartigen, jungen Team zu übertragen. Ferner konnten wir durch meine internationale Vernetzung und mein breites operatives Erfahrungsspektrum unser Angebot deutlich ausweiten. Gerade beim Thema Uro-Onkologie und  insbesondere beim Prostatakarzinom habe ich auch wissenschaftlich und innovativ geforscht und habe Zugang zu den modernsten Therapien und Technologien. Darüberhinaus können wir nun, seit ich im Tauernklinikum tätig bin, Blasenentfernungen und Blasenersatz beim Blasenkrebs anbieten. Weiters haben wir schon erste Schritte in Richtung maßgeschneiderte Diagnostik und Therapie, wie die gezielte Prostatabiopsie (Fusionsbiopsie) und Fluoreszenz unterstützte 3D Laparoskopie (Prostata und Niere) etabliert.

Wie werden Ihre PatientInnen in Zukunft von Ihrer Abteilung profitieren können? Wie soll sich Ihre Abteilung in den nächsten Jahren entwickeln?

Ich sehe die Entwicklung der Abteilung so, dass wir in fünf Jahren das volle Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten anbieten können. Also 365 Tage im Jahr urologische Vollversorgung. Gleichzeitig werden wir die teilweise bereits vorhandenen Schwerpunkte – vor allem die abteilungsübergreifenden – stärken und ausbauen. Denn eine Spezialisierung ist immer auch eine Form der Qualitätssicherung für die PatientInnen. Das macht ein Krankenhaus nicht nur für PatientInnen attraktiv, sondern auch als Arbeitgeber, bei dem junge KollegInnen Wissen erwerben können. Junge, motivierte, top ausgebildete ÄrztInnen ins Tauernklinikum zu holen, das ist wiederum gut für die PatientInnen.
Darüberhinaus  wünsche mir, dass unsere Abteilung  auch in Zukunft weiterhin seitens des Trägers so unterstützt wird, um die bestmöglichste Medizin und State of the Art Technologie für unsere Patienten anbieten zu können.

Herr Dozent Hruby, eine etwas privatere Frage zum Abschluss unseres Gesprächs: Was ist es, das Sie besonders gern an Ihrer Arbeit mögen?

Ich bin Mediziner aus Leidenschaft, zum einen, weil ich gerne mit und für die PatientInnen arbeite, zum anderen bin ich auch gerne operativ tätig. Die Urologie ist ein sehr spannendes und vielfältiges Fach, und bildet seit jeher technologisch die Speerspitze in der minimal invasiven Chirurgie. Ich war immer gerne wissenschaftlich tätig und sehe das als essentiellen Bestandteil der Qualitätssicherung.

Im Tauernklinikum fühle ich mich sehr wohl, besonders wegen des tollen Arbeitsklimas und der Chance eine bereits gut etablierte Abteilung weiter erfolgreich auf und auszubauen, sodass Patienten auch bei allen Krankheitsbilder professionell und auf internationalen Niveau im Innergebirg behandelt werden können. Der Umzug in den schönen Pinzgau war eine sehr gute Entscheidung für meine Familie und mich. Ich liebe die Berge und bin glücklich darüber, dass meine Tochter in dieser fantastischen Natur aufwachsen wird.

Herr Dr. Hruby, vielen Dank für das Gespräch!

Sehr gerne!

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