Was zählt, ist die Perspektive des Patienten Vorstand der Abteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie – Prim. Dr. Kai-Uwe Asche

Egal, ob Routine-Eingriff, chirurgischer Notfall oder schwerere OP – eine Operation bedeutet für eine Patientin bzw. einen Patienten immer, die Kontrolle über sich und seinen Körper in die Hände von Menschen zu legen, die man eigentlich nicht kennt. Diese Sicht der PatientInnen sollten wir uns als ÄrztInnen der Abteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie tagtäglich vor Augen halten.

Prim.Dr. Kai-Uwe Asche © rené r. wenzel
Herr Dr. asche, gibt es innerhalb Ihrer Abteilung ein Gebiet, auf das Sie sich ganz besonders spezialisiert haben?

Ein absolutes Spezialgebiet der Abteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie am Tauernklinikum ist sicherlich die Anti-Reflux-Chirurgie. Reflux, das bedeutet, dass Magensaft in die Speiseröhre zurückrinnt. Und das kann zu schmerzhaften Erkrankungen des oberen Verdauungstraktes führen. Mit Eingriffen, die den Körper der Patientin oder des Patienten nur minimal beeinträchtigen – wie zum Beispiel mit einer laparoskopischen Fundoplikatio oder mit einer sogenannten Anti-Refluxoperation – können wir viele Krankheiten heilen. Ein zweiter Schwerpunkt unserer Abteilung liegt auf der sogenannten „metabolischen Chirurgie“. Dabei geht es darum, das auslösende Moment für metabolische Erkrankungen –wie zum Beispiel Diabetes oder Herz-Kreislaufprobleme – zu behandeln. Und dieses auslösende Moment ist eben in den meisten Fällen krankhaftes Übergewicht. Eine Schlauchmagen-Operation zur Verkleinerung des Magenvolumens (Sleeve-Gastrektomie), eine Magenbypass-Operation oder auch ein „Minibypass“ sind erste Schritte, um krankhaftem Übergewicht und den Folgeerkrankungen zu Leibe zu rücken. Ein Vorteil dieses Umdenkens ist, dass heute oft die Krankenkassen die Kosten für diese Eingriffe übernehmen. Man operiert eben nicht nur, um Gewicht zu reduzieren, sondern vor allem um die Folgeerkrankungen der Übergewichtigkeit zu reduzieren. Denn die kosten auf lange Sicht natürlich auch viel Geld.

Gibt es einen bestimmten Grund dafür, warum Sie sich gerade auf diesen Bereich spezialisiert haben?

Da leider viel zu viele ÖsterreicherInnen zu Übergewicht neigen, wird uns dieses Thema im Tauernklinikum auch in den nächsten Jahrzehnten noch begleiten. Sprich: Der Bedarf, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, wird kontinuierlich steigen. Und was die Anti-Reflux-Chirurgie betrifft, so hat sich dieses Spezialgebiet in Wahrheit aus der Historie heraus entwickelt. Es gibt in Zell am See schon lange einen Schwerpunkt für minimalinvasive Chirurgie. Haben Sie gewusst, dass Zell am See das erste Krankenhaus in Österreich war, in dem eine laparoskopische Fundoplikatio (eine Anti-Refluxoperation) durchgeführt wurde?  Diese Art der Operationstechnik wird auch „Schlüsselloch-Technologie“ genannt und eignet sich hervorragend für Eingriffe, die im Zusammenhang mit dem Thema Reflux stehen. Natürlich hat sich dieser Schwerpunkt nicht zuletzt deshalb entwickelt, da Reflux ein Thema für viele unserer PatientInnen war und ist. Und wir versuchen, diesen Bedarf in der besten Form zu decken.

Welche Fragen oder Probleme beschäftigen die PatientInnen des Tauernklinikums in Ihrem Fachbereich besonders häufig?

Die Abteilung für Allgemein- und Visceralchirurgie ist ein Bereich, in dem ein sehr breites Spektrum an Themen abgedeckt wird – gewissermaßen vom Leistenbruch bis zum Karzinom. Ganz grundsätzlich geht es bei uns um operative Eingriffe, wo immer wieder die Fragen auftauchen: Wie wird es mir nach meiner Operation gehen? Wird es mir es mir danach wieder gut gehen? Und vor allem bei schwierigeren Fällen steht natürlich immer die Frage im Raum: Warum gerade ich? Was sind die Gründe für meine Erkrankung? Selbstverständlich haben wir es im chirurgischen Bereich auch immer wieder mit Notsituationen zu tun. Das kann für den einen ein Abszess um zwei Uhr morgens sein – und für den anderen ein bösartiger Krebs. Beides reißt einen Menschen aus seinem gewohnten Alltag. Die PatientInnen müssen bei einer Operation die Kontrolle über sich und ihren Körper vollständig abgeben – an einen Menschen, den man eigentlich nicht kennt. Stellen Sie sich das vor! Und das versuche ich eben immer meinen ÄrztInnen in der Abteilung mit auf den Weg zu geben. Es ist die Perspektive des Patienten, die zählt. Und da ist halt für den einen auch eine aus der Sicht des Chirurgen „kleine“ Leistenoperation eine große Sache.

Welche Antworten bzw. Lösungen bieten Sie und Ihr Team für Ihre PatientInnen an?

Ganz ehrlich: Manchmal stoßen auch Ärzte an ihre Grenzen. Vor allem dann, wenn es um die Frage nach dem „Warum“ geht. Hier können wir PatientInnen manchmal keine eindeutige Antwort darauf geben, was ihre Krankheiten ausgelöst hat. Denn oft ist es die Kombination der verschiedensten Faktoren, die zu einer Erkrankung führen. Was wir aber können, ist den PatientInnen zur Seite zu stehen, für sie da zu sein, sich Zeit zu nehmen und unser Bestes zu geben, um das Problem zu lösen. Wir können mit den PatientInnen ausführlich über die Situation, die Möglichkeiten und das Behandlungskonzept, das wir anbieten können, sprechen. Und dann: handeln! Für uns sind die PatientInnen keine Nummer, sondern Menschen mit Gesichtern und Geschichten. Und das versuche ich, wie es auch bereits mein Vorgänger getan hat – allen ÄrztInnen in der Abteilung weiterzugeben.

Wie profitieren die PatientInnen des Tauernklinikums heute von Ihren Leistungen?

Im Endeffekt profitieren unsere PatientInnen davon, dass wir ein eher kleines Haus mit einigen wichtigen Spezialisierungen sind. Selbstverständlich decken wir im Tauernklinikum auch ein breites Spektrum an Basis-Eingriffen ab. Aber wir wissen eben auch ganz genau, was unsere Spezialgebiete sind, was wir besonders gut können. Und wenn wir etwas nicht operieren, dann wissen wir ganz genau, zu welchen SpezialistInnen wir unsere PatientInnen schicken können. Und zwar immer mit der Garantie mit im Gepäck, dass ihnen bestmöglich geholfen wird und dass PatientInnen des Tauernklinikum auch in den Krankenhäusern, mit denen wir zusammenarbeiten, immer Menschen und keine Nummern sind. Außerdem begleiten wir jede einzelne Patientin und jeden einzelnen Patienten auf diesem Weg. Dafür garantiere ich persönlich!

Wie werden Ihre PatientInnen in Zukunft von Ihrer Abteilung profitieren können? Wie soll sich Ihre Abteilung in den nächsten Jahren entwickeln?

Ich denke, dass wir unsere Spezialisierungen auch weiterhin ausbauen werden. Dass wir weiterhin an unserem guten Netzwerk, an unseren guten Verbindungen zu anderen Krankenhäusern arbeiten und diese ausbauen werden. Darin liegt die Zukunft.

Herr Dr asche, eine etwas privatere Frage zum Abschluss unseres Gesprächs: Was ist es, das Sie besonders gern an Ihrer Arbeit mögen?

Was natürlich im Vordergrund steht, ist die Möglichkeit als Chirurg Menschen in Notsituationen zu helfen. Jemandem sagen zu können, dass alles wieder gut wird. Aber auch die Möglichkeit, jemanden in seiner Krankheit bestmöglich zur Seite zu stehen und zu begleiten. Darum mag ich meine Arbeit ganz grundsätzlich. Und was ich hier am Standort Zell am See so besonders gern man: Wissen Sie, mein Arbeitstag wäre auch in einem anderen Krankenhaus lang. Aber hier in Zell am See sehe ich in der Früh die Sonne über den Berggipfeln aufgehen. Im Winter glitzert der Schnee. Und im Sommer ist der See einfach extrem schön. Und wenn ich nach einem Dienst aus dem Krankenhaus komme, dann gibt mir das alles hier rundherum einfach noch mehr Kraft für den nächsten Arbeitstag, für die nächste Operation.

Herr Dr. asche, vielen Dank für das Gespräch!

Es war mir ein Vergnügen!

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